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Schöne Neue (Digitale) Welt

Aldous Huxley hätte seine wahre Freude gehabt: In seinem 1932 erschienenen Roman “Brave New World” beschäftigte er sich schon mit einer Welt, in der Frieden, Freiheit und Stabilität gesichert scheinen. Vermutlich kennen Sie das Buch aus der Schulzeit und/oder Sie haben den Film gesehen, der 1980 erschien (Inszenierung Burt Brinckerhoff) und 1998 für das Fernsehen neu aufgelegt wurde (Dan Wigutow Productions). Wikipedia ist was Feines 😉 Was war noch mal der Preis dafür?

Diese Welt kommt nun in etwas anderer Form aber mit gleicher Zielsetzung auf uns zu: Wir müssen nicht mehr (körperlich) arbeiten, das machen zukünftig intelligente und vernetzte Roboter, im Geschäfts- und im Privatleben. Auch geistig müssen wir nicht mehr so viel arbeiten, weil Künstliche Intelligenz uns überlegen scheint: Rechnergestützte Algorithmen sind vielen unserer persönlichen Entscheidungsprozesse überlegen und werden ständig optimiert, was ich von mir als 58-jährigen “Querkopf” nicht gerade behaupten kann. Schachcomputer habe ich mir vorsichtshalber keinen angeschafft, und meine Frau spielt auch nur noch ganz selten gegen mich. (Sie ist blond und versteht unter künstlicher Intelligenz vielleicht etwas anderes.)

Stabilität durch erreichbare und erreichte Ziele in volatilen Zeiten, wie geht das? “Big Data” in Echtzeit, “Business Intelligence”, “Predictive Analysis”, “Internet der Dinge”, “Industrie 4.0” sind die Schlagworte, die uns Sicherheit geben sollen, und natürlich Geschäft, als IT-Hersteller oder -Berater, mit Soft-, Hard- und Brainware. Der Preis dafür: Vollständige Vernetzung.

Haben Sie auch ein Navigationssystem der neuesten Generation im Auto, das Ihnen in Echtzeit Stauumfahrungen anbietet? Leider im Großraum Stuttgart (auch auf den Autobahnen) mittlerweile nahezu wirkungslos. Empfehlung: Führen Sie immer eine Zeitung mit, damit Sie im Stau etwas zu lesen haben, denn telefonieren geht häufig auch nicht (“Netz überlastet”) und das Tablet lädt zu langsam. Falls Sie noch eine Zeitung abonniert haben, was eigentlich nur für über 50-jährige zutreffen kann. Ach so, die (S-)Bahn ist in den nächsten zehn Jahren auch keine wirkliche Alternative in Stuttgart, bis wir schließlich den Bahnhof vergraben haben, für geschätze 10 Milliarden EURO, externe Kosten nicht mitgerechnet.

Dafür fahren unsere Autos autonom bzw. sie stehen autonom im Stau und tauschen sich untereinander aus. Sicherlich haben Sie den ersten tödlichen Unfall eines TESLAS verfolgt, die eingebauten Systeme hatten eine weiße LKW-Plane falsch interpretiert. Leider fuhr der LKW quer zur Fahrtrichtung des TESLAS. Unfallzeugen behaupten, sie hätten aus dem zerstörten Wagen den Film “Harry Potter” gehört, den sich der Fahrer möglicherweise auf DVD angeschaut hatte. Denn er hatte auf “Autopilot” geschaltet, und ein TESLA der neuesten Generation soll das können, sagen manche.

Unser Verkehrsminister bereitet für das autonome Fahren neue Gesetze vor: Insgesamt fünf Stufen sollen geregelt sein, beim “Wirklich Autonomen Fahren” soll dann über eine eingebaute Blackbox nachvollziehbar sein, wer für den (tödlichen) Unfall haftet: Der Fahrzeughersteller, der Datenlieferant, der Unfallgegner, die Versicherung oder etwa der Fahrer? Derzeit werden Algorithmen programmiert, die entscheiden, ob wir in der konkreten Situation die 82-jährige Oma, die Mutter mit Kind auf dem Fahrrad oder den CEO eines Dax-Konzernes “über den Haufen fahren” müssen, um nicht selbst am LKW zu zerschellen.

Hoffentlich hat das jemand zu Ende gedacht, denn gesetzlich lässt sich das nicht wirklich regeln. Vielleicht ist es ja besser, wenn wir unsere modernen Autos autonom ohne uns fahren lassen, das heißt, wir bleiben zu Hause und spielen “Stau” oder “War of Traffic”, die Fortgeschrittenen mit mehreren Autos gleichzeitig, alles in Echtzeit und mit Videoüberwachung (per autonomer Drohne).

Das mit den Autos ist erst der Anfang: Im nächsten Schritt werden Unternehmen weitgehend autonom und agil gesteuert. Die Prioriäten für die Algorithmen mögen sich etwas unterscheiden: Bei einem börsennotierten Konzern steigt möglichweise der Kurs, wenn Entlassungen angekündigt werden, bei einem Familienunternehmen hat die Sicherheit der Arbeitsplätze (meist) einen höheren Stellenwert. Letztendlich kann man das alles (vor-) einstellen. Und wenn es zum Crash kommt, haben wir in den Unternehmen eine Blackbox, aus der hervorgeht, wer haftet: Der Lieferant (Soft- und Hardware), der Wirtschaftsprüfer, das Finanzamt, die Versicherung oder etwa die Geschäftsführung?

Ich bin wirklich neugierig, wie sich das ganze entwickelt, und wann mich zum ersten Mal ein unbesetztes Auto überholt. Mittlerweile habe ich auch Spurhalteassistent, Tempomat mit aktivem Abstandsradar etc., aber das Lenkrad gebe ich nicht aus der Hand, da macht mir Fahren immer noch zu viel Spaß bzw. Freude, wie es bei BMW heißt. Was noch fehlt ist ein Knopf, mit dem ich die (autonom fahrenden) Autos kurz dazu animiere, mich vorbei zu lassen, nur mich, geht auch ganz schnell, wie an der Kasse im Supermarkt 😉

confidence consult gibt es mittlerweile 20 Jahre. Wir sind durch Vertrauen und Verlässlichkeit gewachsen, weniger quantitatv (wir waren schon einmal mehr Kolleginnen und Kollegen, manche gingen zu Kunden von uns), eher qualitativ. Das Vertrauen haben wir uns durch ehrliches Feedback und Zivilcourage erarbeitet, nicht jeder Kunde kann damit umgehen. Aber die meisten haben wir schon über zehn Jahre mit immer neuen Aufgabenstellungen. “Trendthemen” versuchen wir weitgehend zu vermeiden, oft ist es nur alter Wein in neuen Schläuchen. Führung und Kommunikation sind unsere Schlüsselthemen, das wird in der schönen neuen digitalen Welt auch nicht anders sein. Mit Coaching, Projekt- und Prozessmanagement begleiten wir Veränderungsprozesse, das Feedback unserer Kunden bestärkt uns, diesen Weg weiter zu gehen.

Bitte schreiben Sie uns, was Sie davon halten, als angehender Senior bekommt man vielleicht nicht mehr alles so mit und reduziert bzw. vereinfacht zu stark. Es lässt eben alles nach. Vielleicht sollte ich meine Körper- und Gehirnfunktionen auch autonom steuern lassen. Mancher meiner geschätzten Kollegen im Internationalen Controllerverein hat bestimmt schon eine neue Version für mich geplant: Vom Querdenker zum Mitläufer. Oder war es vom Querläufer zum Mitdenker?

So, das Thema Stabilität hätten wir geklärt.

Zu den Themen Frieden und Freiheit hat DdW (einer unserer Kunden aus dem Fränkischen) die Diskussion mit folgendem Kommentar eröffnet (siehe RECENT COMMENTS):

“Ein schöner Artikel zur schönen neuen Welt. Die Idee, dass Konzerne von Algorithmen gesteuert werden ist im Zeitalter des Hochfrequenzhandels von Aktien und Wertpapieren gar nicht mal in so weiter Ferne.

Mehr als die ethischen Fragestellungen beim autonomen Fahren (die sich ja beim nicht-autonomen Fahren genauso stellen, aber nicht unbedingt genauso konsequent beantwortet werden) beunruhigen mich die Auswirkungen von “big data” auf den politischen Prozess. Wer seine (potentiellen) Wähler und deren Interessen und Triggerpunkte kennt, der kann viel gezielter manipulieren und statt mit der Gießkanne mit der Injektionsspritze arbeiten. Und das wird auf Dauer den politischen Wettbewerb massiv verzerren.”

Wie sehen Sie das? Schließlich ist bald Wahlkampf in den USA.

 

 

1 Comment

  1. DdW says

    Ein schöner Artikel zur schönen neuen Welt. Die Idee, dass Konzerne von Algorithmen gesteuert werden ist im Zeitalter des Hochfrequenzhandels von Aktien und Wertpapieren gar nicht mal in so weiter Ferne.
    Mehr als die ethischen Fragestellungen beim autonomen Fahren (die sich ja beim nicht-autonomen Fahren genauso stellen, aber nicht unbedingt genauso konsequent beantwortet werden) beunruhigen mich die Auswirkungen von “big data” auf den politischen Prozess. Wer seine (potentiellen) Wähler und deren Interessen und Triggerpunkte kennt, der kann viel gezielter manipulieren und statt mit der Gießkanne mit der Injektionsspritze arbeiten. Und das wird auf Dauer den politischen Wettbewerb massiv verzerren.

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