Ausgewählte Projektbeispiele

Das nahe Ende der Formel 1 für McLaren-Mercedes?

Norbert Haug hat gut lachen: Als Mercedes Sportchef befindet er sich scheinbar in einer komfortablen Position. Seine Formel 1-Fahrer scheinen dieses Jahr die Weltmeisterschaft unter sich auszumachen. Auch wenn Fernando Alonso als amtierender Renault-Weltmeister und Lewis Hamilton als bester Formel 1-Rookie aller Zeiten die Fahrerweltmeisterschaft unter sich auszumachen scheinen (und dabei keine Gelegenheit auslassen, sich mit unfairen Methoden und Provokationen gegenseitig die Punkte wegzunehmen), kann das nicht darüber hinwegtäuschen, dass britisch-deutsche Teams häufig nicht funktionieren (können). Williams-BMW hatte einen ähnlichen Kleinkrieg: Spätestens nachdem bekannt wurde, dass BMW ein komplett eigenes Team aufbauen wollte, lieferte Williams nicht mehr die vollständigen Chassis-, Fahrwerks- und Windkanaldaten. Schließlich macht man die Konkurrenz nicht unnötig schlau, und so wurden die Ergebnisse immer schlechter. Mit dem schweizerisch-deutschen Sauber-BMW-Team ist man auf die Erfolgsstraße zurückgekehrt.

Die Britisch-Deutsche Zusammenarbeit war schon einmal schwer belastet: Die Übernahme von Rover durch BMW (keine “Fusion unter Gleichen” bzw. “Hochzeit im Himmel”) und der dadurch entstandene Affront gegenüber Honda, die seinerzeit eine enge Kooperation mit Rover und damit der Welt eigentlich schon bewiesen hatten, dass man mit japanischen Qualitätssicherungsmethoden sogar in England mit “faulen” (?) und “dummen” (?) Arbeitern am Band Qualität produzieren und nicht nur sichern kann, ist noch nicht (ganz) vergessen. Wir erinnern uns: BMW ging gerade rechtzeitig wieder raus (aus dem finanziellen Engagement), unter Mitnahme des Filetstücks Mini, und für den Verkauf von Landrover an Ford bekam man ungefähr die Summe wieder, die man seinerzeit für Rover insgesamt bezahlt hatte. Und das Lehrgeld für eine effiziente Zusammenarbeit mit Engländern verbuchte man auf der Aktiv-Seite der Bilanz.

Der Fußball-Bundestrainer Jürgen Löw macht das auch richtig: Er beklagt die Verrohung der Sitten unter den Spielern (und abseits des Spielfeldes). Wenn man gegen England im neu gebauten Wembley-Stadion spielt, dann sollte man tunlichst nicht mit der ersten Mannschaft spielen, denn dann würde man die Engländer wie beim Abschiedsspiel im alten Wembley-Stadion blamieren. So kann man bei einem “Unentschieden” die größte Blamage (für England) mit entsprechendem Gesichtsverlust vermutlich vermeiden, denn Engländer halten sich nicht immer an die Spielregeln. Denn wenn sie auf dem (Fußball-) Platz verlieren, dann gewinnen sie eben anschließend beim Faustrecht gegen die “deutschen Hooligans”, wenn die überhaupt einreisen dürfen, aus den neuen Bundesländern, wo das Faustrecht ja gerade wieder salonfähig geworden ist, z. B. gegen Inder, eine langjährige Kolonie des “Commonwealth”. Ministerpräsident Milbradt war ja auch vor Ort, um sich einen persönlichen Eindruck zu verschaffen (vom Mut und der “Kampfkraft” der Neo-Faschisten, nicht von der Anteilnahme der Bevölkerung, die die Jagd (auf die Inder) feixend beobachtet und entsprechend angetrieben hat. Und die Polizei wurde auch nicht von der Bevölkerung alarmiert sondern von den Indern, die sich in ihrer Not in ein Lokal (mit Telefon) geflüchtet hatten. Das Lokal wurde vom ostdeutschen Mob vorsichtshalber auch noch demoliert, vermutlich war es eine Pizzeria, auch die Italiener sind uns ja schon mehrfach in den Rücken gefallen mit ihrer Kriegsflagge (“weißes Kreuz auf weißem Grund”), nicht nur im Fußball.

Und wenn wir verlieren? Dann sind wir eben auch gute Verlierer, der wahre Fan will ehrlichen Sport und ein gutes Spiel sehen, egal wer gewinnt. (Der Autor wurde diesbezüglich als Ordner beim VfB Stuttgart während eines Heimspiels 1976, gegen Bremen, wenn ich mich recht erinnere, im damaligen Neckarstadion von einem wahren, sehr erfahrenen Fußballfan belehrt)

Und wenn wir gewinnen?

Und wenn das Spiel nicht gut ist? Dann lese ich eben nebenher Zeitung (Financial Times Deutschland, z. B. “Jagd auf Inder löst Debatte über Rassismus aus”, Mittwoch 22. August 2007, Seite 9, oder “Von Sachsen lernen”, 21. August 2007, S. 25). Die bieten echt guten Journalismus, nicht so provinziell wie bei uns in Stuttgart.

Zurück zur Formel 1:

Ron Dennis zieht nicht mit. Anstatt seine McLaren-Anteile an Mercedes zu verkaufen (und dadurch alles aus einer Hand zu verantworten, aber eben auch in vollständige Abhängigkeit von Norbert Haug zu geraten), übertrug er seine Anteile an Investoren im Nahen Osten. Damit ist sein Lebenswerk in Woking nahezu gesichert.

Allerdings soll der Nachfolger des SLR als 300 SL Retro-Flügeltürer dafür nicht mehr von McLaren in Woking sondern im Mercedes-Werk Sindelfingen gebaut werden. Kleine Sünden bestraft Norbert Haug sofort, die strategische Allianz mit McLaren ist ab sofort beendet. Das beste Auto war übrigens seinerzeit der McLaren-BMW F1, den der ehemalige BMW-Vorstandsvorsitzende Pischetsrieder bei einer Probefahrt so demolierte, dass er wenig später nur noch als Vorstandsvorsitzender für VW herhalten durfte. Allerdings auch nicht lang, denn Herr Piech hat ihm nie verziehen, wie er ihm die Namensrechte von Rolls Royce vor der Nase wegschnappte und jetzt eben unter dem Konzerndach als Bentley eine Erfolgsgeschichte schreibt. Sogar Audi musste mitmachen und lackierte die LeMans-Audis “british racing green” mit Breitling-Aufdruck, damit Bentley endlich mal wieder in LeMans gewinnt. Der Plan ist voll aufgegangen, die Zuschauer haben es nicht gemerkt. (Dass das B für Breitling und nicht für Bentley stand. Die Sonderedition von Breitling für Bentley ist auch wieder ganz hübsch geworden.)

Zurück zur Formel 1: (Was ist denn heute auch wieder in meinem Kopf durcheinander, vermutlich der Wetterumschwung.)

Was heißt das? Hamilton wird von Ron Dennis protegiert, Norbert Haug hatte Alonso geholt. Ein perfekter Wettbewerb, in ein und demselben Team (Wir erinnern uns an die Zeiten von Ayrton Senna und Alain Prost, die sich jeweils im letzten Formel 1-Grand Prix in Japan ins Auto fuhren und damit der Weltmeister eigentlich schon vor dem letzten Rennen feststand.

Wie wird es ausgehen? Kein McLaren-Mercedes-Fahrer wird Fahrer-Weltmeister, wenn es Norbert Haug nicht gelingt, den Streit zu schlichten bzw. die Konflikte zu lösen. Formel 1-Fahrer sind Individualisten und sie hören schlecht, insbesondere wenn während des Rennens Gespräche am Funk geführt werden, die man früher Stallorder genannt hätte, die zwischenzeitlich aber offiziell verboten sind.

Und so parkt der eine eben während des Trainings etwas länger vor der Box, damit der andere nicht mehr “für eine schnelle Runde” rechtzeitig rauskommt. Das war allerdings auch nur ein Revanche-Foul. Und hinter den Fahrern gibt es zwei teaminterne Fraktale, die ihre eigene Strategie und Taktik verfolgen – Norbert Haug hin oder her. Wer internen Wettbewerb züchtet wie seinerzeit Ferdinand Piech durch “Pumpe Düse” mit “Common Rail” bei VW und Audi, produziert zwangsläufig auch immer mindestens einen Verlierer. Haug formuliert den Zusammenhang schwäbisch (bescheiden):

“Wenn man innerhalb einer Mannschaft das richtige Gefühl füreinander entwickelt und so untereinander Vertrauen aufbauen kann, dann steigert dies die Leistungsfähigkeit. Es geht dabei nicht um übertriebenes Harmoniebedürfnis, sondern darum, dass sich alle Teammitglieder wohl fühlen. Mit diesem Geist sind wir sehr viele Jahre sehr gut gefahren, und dieser Geist wird uns auch weiter begleiten, egal, welche Fahrerkombination bei uns fährt.” (Focus, Nr. 34 vom 20. August 2007, S. 153)

Ich bin mir nicht sicher, ob er wirklich von seinem McLaren-Mercedes Formel 1-Team spricht, denn eigentlich sind sie viele Jahre recht gut (hinterher) gefahren, und außerdem wollte Alonso bereits aus seinem Vertrag vorzeitig aussteigen. Vermutlich nicht, weil er sich im Team so wohl fühlt. Er hatte gehofft, dass BMW-Sauber ihn verpflichtet, aber heute wurde bekannt, Nick Heidfeldt habe um zwei Jahre mit Option um ein weiteres verlängert.

Ferrari lacht sich ins Fäustchen. Auch wenn es so aussieht, dass ein Mitarbeiter von Ferrari angeblich 780 Seiten teaminterner Dokumente an einen Mitarbeiter des McLaren-Mercedes-Teams übergeben hat, ändert das nichts an der Tatsache, dass die Falle zugeschnappt ist: McLaren-Mercedes bekommt Weltmeisterschaftspunkte nur noch unter Vorbehalt, und wer den Formel 1-Zirkus kennt, weiß, dass Bernie Ecclestone und Max Mosley wirklich etwas von Spannung verstehen. Die Weltmeisterschaft wird dieses Jahr erst beim letzten Rennen entschieden, schließlich wollen alle wieder 1,8 Milliarden Zuschauer vor den heimischen Fernsehern, auch beim letzten Rennen. Ferrari braucht jetzt nur noch ein paar Doppelsiege. Denn die Strategie im Formel 1-Zirkus heißt “Spannung für die Zuschauer“.

Was noch vielschlimmer ist: Die Innovationsfähigkeit von McLaren-Mercedes ist stark eingeschränkt, weil bei jedem neuen technischen Detail nachgewiesen werden muss, dass nicht von Ferrari “abgekupfert” wurde. Das wird was geben. Die Truppe der Renn- und Technischen Kommissare sollte vorsorglich schon mal verstärkt werden.

Und wie geht es aus? Im schlimmsten Fall wird McLaren-Mercedes weder Konstrukteurs-Weltmeister noch stellt das Team den Fahrer-Weltmeister. Selber schuld. Und sollte es doch zum Konstrukteurs-Titel reichen, was sich der Autor als gebürtiger Stuttgarter selbstverständlich wünscht, wäre das der ideale Zeitpunkt zum Ausstieg: Wenn`s am schönsten ist, soll man aufhören! Aber, sollte man die entscheidenden Punkte nachträglich wieder aberkannt bekommt, wegen der Tricksereien und so, und natürlich wegen der Spannung, für die Zuschauer, dann steigt man eben (beleidigt) aus, denn Verlieren gehört bei Daimler und seiner Motorsportabteilung schon lange nicht mehr zur Philosophie. Wir erinnern uns, Mika Häkkinen war der letzte McLaren-Mercedes-Weltmeister, das müsste irgendwann in den Neunzigern gewesen sein, und seither fahren sie hinterher. Dafür bieten sie immer eine gute Show, und Norbert Haug immer gute Kommentare nach den Rennenübertragungen bei RTL . Und sein Gewicht, verändert er auch ständig (der Hr. Haug). Wahrscheinlich um zu beweisen, wie willensstark und dynamisch er ist. Ein gelernter Journalist eben.

Aber nur für eine gute Show wird es zukünftig von “DAIMLER” kein Geld mehr geben, Hinterherfahren schadet dem Image, auch auf der Straße, und der Stern ist doch immer vorne (auf der Motorhaube bzw. im Kühlergrill).

Und damit sind wir bei der DTM, die ursprünglich mal Deutsche Tourenwagen Meisterschaft hieß und klasse Motorsport bot: Wer erinnert sich nicht an die Kremer- und Loos-Porsche oder an Klaus Ludwig im Turbo-Capri? (Sorry, das war die DRM, die Deutsche Rennsport Meisterschaft und die ist lange her, und da machte Mercedes gerade keinen Motorsport).

Aber an Nicola Larini erinnern wir uns in der DTM, der mit seinem Alfa 156 die 190-er verblies, obwohl der AMG-Chef gleichzeitig Präsident des Verbandes war (und das Reglement vermutlich maßgeblich mitgestaltet hat).

Heute heißt die DTM Deutsche Tourenwagen Masters und der Verband heißt ITR. Und wer ist der Chef davon? Genau der wieder, aus Affalterbach. Und die Audis aus Kempten verblasen in dieser Saison regelmäßig die C-Klasse, es sei denn, das Safety-Car (Mercedes CLK) wirbelt das Klassement mal wieder so durcheinander, dass keiner mehr weiß, wer in welcher Runde ganz vorne oder weiter hinten liegt. Und wer gewinnt dann in dem ganzen Durcheinander? Sie habens erraten: Mika Häkkinen. Und nimmt leider damit Bernd Schneider wertvolle Punkte weg.

Schon beindruckend diese Konstanz, vielleicht hat sie ja Methode. Hat der Affalterbacher mittlerweile vielleicht Geldsorgen, denn “DAIMLER” muss sparen und zahlt nur noch erfolgsabhängig. Und das Geld vom Erlös des Verkaufs von AMG an Mercedes, das er in Pferde, Weltmeisterschafts-Parcours und Hotels (in Affalterbach) investiert hat, ist auch schon erheblich weniger geworden. Dafür hat er durch den Börsengang von HWA (DTM-Truppe) wieder “Kasse gemacht”. In Affalterbach wird jetzt um- und ausgebaut, seit Pia Luise Aufrecht eine sechsmonatige “Dopingsperre” auferlegt wurde, weil bei ihrem Pferd (selbstverständlich nicht bei ihr) Carriere (zuviel) Testosteron festgestellt wurde. Vater sein ist manchmal undankbar.

Und was heißt das jetzt? Die ITR wird sich, schlimmstenfalls, zum Saisonende selbst auflösen, denn für einen Audi-Markenpokal braucht man keine knapp 500 PS und keinen technischen Aufwand, der unbezahlbar ist und vom Zuschauer eher weniger goutiert wird. Und Matthias Ekström hat die besten Chancen, Meister zu werden, auf Audi, versteht sich. Bernd Schneider fasst die Geschehnisse folgendermaßen zusammen: “Wir waren bisher auf allen Strecken gut. Teils haben wir uns die Punkte aber gegenseitig weggeschnappt. Was sehr für die Teamstärke spricht. Für die Meisterschaft vielleicht weniger gut.” (Motorsport aktuell, Nr. 35 vom 21. August 2007, S. 13)

Da loben wir uns die Tourenwagen-Weltmeisterschaft (WTCC) mit zwei Litern Hubraum, knapp 300 PS und spannenden Rennen: Fronttriebler gegen Hecktriebler, Diesel gegen Benziner, stehender und fliegender Start, Zusatzgewichte, viele Marken und viele Fahrer einer Marke, die den anderen Teams einfach Punkte wegnehmen, auch wenn sie selbst keine Chance auf die Meisterschaft haben. Und da sollte eine Stallorder auch erlaubt sein, denn wer die richtige Taktik hat, gewinnt. Wir gratulieren Seat zum ersten Sieg eines Diesels innerhalb der FIA (Formel 1, Rallye-Weltmeisterschaft, WTCC)

Dieses Jahr wird vermutlich wieder BMW gewinnen, ob mit Farfus, Priaux oder Müller. Weniger bei einzelnen Rennen, aber eben zu Saisonende. Die Strategie bei BMW heißt “Gewinnen“, bei Mercedes anscheinend “Wohlfühlen im Team“. Irgend etwas stimmt da nicht, denn “Hinterherfahren” bzw. “Punktewegnehmen” kann zwar mal Taktik aber wohl niemals Strategie sein, auch wenn Priaux den Punkt hätte gut gebrauchen kann und Müller eine Null-Nummer einfährt.

Vielleicht sollten wir diesen Zusammenhang einmal Herrn Haug erklären, aber woher soll er es denn können, seine Chefs bei “Daimler#Chrysler” konnten es ja auch nicht. Das mit der Strategie meine ich, für Taktik hatten die keine Zeit.

Ursprünglich fuhr Mercedes in der DTM auch einmal mit (190E 2,3-16) aber da die BMW M3 häufiger gewannen, gründete man einfach eine neue Rennserie und machte den Affalterbacher zum Präsident. (Den Rest kennen Sie.)

Schade ist es eigentlich nur um Bernd Schneider, der all die Jahre durch die Konstanz seiner Leistung und absolute Fairness glänzte, während die Werks-Audis mit teilweise bis zu zehn Autos und kurzfristig eingesetzten Spitzenfahrern die BMWs und Mercedes abräumten und heute wieder abräumen (die Mercedes, BMW fährt ja woanders).

Das könnte man Norbert Haug vorwerfen: Die Strategie, die Taktik und die Personalpolitik stimmen nicht, aber hinterher ist man immer klüger. Wir können nur hoffen, dass der Vater der 3-Säulen-Strategie (Formel 1, DTM und USA-Engagement) weiterhin Erfolg hat, denn auf einem Bein oder auf zweien steht es sich eben schlecht (mit Übergewicht). Und warum drei Säulen? Ach ja, heutzutage muss man eben einkalkulieren, dass es bei einer Serie eben mal nichts wird, in diesem Jahr. (Ein echter Sportsman rechnet eben auch mal mit einer Niederlage, man kann nicht immer ganz vorne stehen, sonst verlieren die Mitstreiter schnell den Spaß.) Wie sagte Heribert Faßbender gelegentlich in der Sportschau: “Man muss auch jönne könne”. In diesem Sinne, Ihr “Bruder Barnabas aus dem Schwäbischen”.

confidence kann Ihnen helfen, eine saubere Strategie zu entwickeln, die Taktik darauf abzustimmen und mit dem richtigen (Führungs-) Personal umzusetzen und konsequent weiterzuentwickeln.