Ausgewählte Projektbeispiele

Das (un) ausgeglichene Kunden-Lieferanten-Verhältnis

Wir erleben gelegentlich, dass der Kunde “König” ist. Das ist schön, beweist es doch, dass wir erkannt haben, wer unser Gehalt bezahlt. Was wir vielleicht noch nicht genügend erkannt haben, ist die Tatsache, dass, wenn wir unsere Mitarbeiter richtig behandeln, diese wiederum den Kunden richtig und fair behandeln. Das ist auf Dauer viel erfolgreicher, denn in vielen Firmen focussierte man zu sehr auf “Kundenorientierung“, allerdings zu Lasten der Mitarbeiterorientierung. Wir setzten uns vorwiegend dann mit Mitarbeitern auseinander, wenn sich der Kunde, zu Recht oder zu Unrecht, beschwert hatte. Diese Art von Kritikgesprächen kann auf Dauer zermürbend sein. Für den Mitarbeiter, aber auch für den “Chef”. Denn Mitarbeitergespräche müssen vorbereitet sein, emotionale “Schnellschüsse” können leicht (miß-) interpretiert werden. Und wenn ich einem Mitarbeiter immer nur dann Gelegenheit gebe, sich zu äußern, weil mal wieder etwas schiefgelaufen ist, wird er bald ein Mitarbeitergespräch als etwas Unangenehmes, vielleicht sogar Ungerechtes empfinden. Und wir reden vom Mitarbeitergespräch, nicht vom “Chefgespräch“.

Spätestens wenn ein (ERA) Beurteilungsgespräch ansteht, wird sich der intelligente Mitarbeiter so präparieren, dass nicht er selbst, sondern der Chef beurteilt wird. (“Wie kann der überhaupt beurteilen, was ich mache, wenn er immer nur meine, vermeintlichen, Fehler wahrnimmt bzw. anspricht?”)

Daraus lässt sich vermutlich erklären, warum Führungskräfte, teilweise mit flauem Gefühl im Magen, diesen ERA-Eingruppierungs- und Beurteilungsgesprächen entgegensehen. Zum Glück sind die meisten Führungskräfte (oder Vorgesetzte) auch Mitarbeiter, haben also auch einen Chef. Das kann, auf Dauer, selbstreinigend wirken. Hoffen wir das Beste. Nicht jeder Vorgesetzte hat den Mut und die Gabe zur Selbstreflektion, und lässt sich möglicherweise wieder “ins Glied” versetzen, wo er seine fachliche Kompetenz besser einbringen kann. Denn Führen hat er ja nie so richtig gelernt.

Er spürt allerdings, dass er von seiner Frau in einer Art und Weise geführt wird, die ihm überlegen ist. Frauen beherrschen Mitarbeiter (-Kritik-) Gespräche, allerdings initiieren sie solche häufig zu einem Zeitpunkt, der für sie optimal ist (z. B. im Urlaub, bei Familienfesten oder bei Autofahrten, bei denen sie als Beifahrer, voll konzentriert das Gespräch leiten, während der Fahrer, voll konzentriert, die Familie durch den (Ferien-Autobahnbaustellen-) Stau manövriert. Die Folge könnte sein, dass nicht nur Hunde auf der Autobahnraststätte ausgesetzt werden, sondern auch Ehemänner bzw. Väter. Denn die Kinder auf den Rücksitzen haben schnell gelernt, dass man von Vati, wenn man die richtigen Knöpfe drückt, eigentlich alles haben kann, bei Mutti muss man etwas differenzierter argumentieren. Und die Autobahnraststätten sind, zumindest bisher, nur bedingt darauf eingerichtet, Selbsthilfe-Gruppen von Männern bzw. Vätern während der Urlaubsreisezeit professionell zu betreuen. Ein wachsendes Geschäftsfeld für (Hobby-) Psychologen.

Ähnlich verhält es sich mit klassischen Kunden-Lieferanten-Beziehungen: Der Kunde bestellt, der Lieferant hat zu liefern. Basta. Und wenn das nicht klappt, dann kommt es zu Retouren, unserem Qualitätsmanagement sei Dank. Unfrei natürlich, schließlich haben wir einen Rahmenvertrag, der dem Kunden alle und dem Lieferanten keine Rechte zubilligt. Wir empfehlen, Kunden-Lieferanten-Verhältnisse auf partnerschaftlicher Basis zu gestalten und weiterzuentwickeln, schließlich sind wir auf unsere Lieferanten angewiesen. Und der Wechsel eines Lieferanten birgt Risiken, das ist eine Binsenweisheit. Oder wir (be-) stellen (uns selbst) einfach ab.

Auch Beratungen können als Lieferanten gesehen bzw. behandelt werden, die Projekte (seien es Beratungen, Trainings oder Coachings) werden häufig vom Einkauf (nach professionellem Angebotsvergleich) vergeben. Das ist fair.