Querdenken
comment 1

Warum wir jetzt aus der Kernenergie aussteigen müssen

An dieser Stelle geht es nicht um technische Risiken, Erdbeben, um die Gefahr von Flugzeugabstürzen oder terroristischer Anschläge. Der Autor ist überzeugt, dass wir in Deutschland mit die sichersten Kernkraftwerke weltweit entwickelt haben und derzeit betreiben. Als Kaufmann sieht man auch die Renditen, die bereits abgeschriebene Anlagen noch für Jahre versprechen. Als Kunde und Staatsbürger frage ich mich allerdings, warum ein Energieversorgungsunternehmen (EVU) jährlich einen Milliardengewinn einfährt. Seit über zehn Jahren haben wir als Eigentümer und Nutzer einer Immobilie jedes Jahr unseren Stromverbrauch reduziert und jedes Folgejahr mussten wir trotzdem mehr bezahlen.

Mag sein, dass die Finanzierung der erneuerbaren Energien über Umlagen eine erhebliche Rolle spielen (bei der Photovoltaik ist man wohl mit über 7 Mrd. Euro Subventionen 2010 für anscheinend 2% Deckung des Gesamtstromverbrauchs über das Ziel hinausgeschossen). Entscheidend für mich ist, dass wir vermutlich einem Oligopol von vier EVUs ausgesetzt sind (e.on, EnBW, RWE und Vattenfall), die sich in ihrer Region quasi als Monopolisten verhalten (dürften). Es ist sicherlich kein Zufall, dass Bundestagsabgeordnete zusätzliche Arbeits- und Beraterverträge der großen EVUs in der Tasche hatten (Laurenz Mayer lässt grüßen). Auch Landräte, Bürgermeister und sonstige “Entscheider” bzw. “Wächter” wurden in der Vergangenheit immer wieder durch spezielle Events (z. B. Einladungen zu Fußball-Weltmeisterschaften oder “Städtereisen”) betreut bzw. bei Laune gehalten. Aber was hat das mit dem Ausstieg aus der Kernenergie zu tun?

Der Ausstieg aus dem Ausstieg der schwarz-gelben Bundesregierung musste dazu führen, dass jegliche Initiativen zu mehr Wettbewerb (technisch bzgl. erneuerbarer Energien, betriebs- und volkswirtschaftlich bzgl. Wettbewerb auf kommunaler und regionaler Ebene) erschwert wurden. Wie sollte ein Stadtwerk vernünftig in ein Biomassekraftwerk investieren, wenn “Atomstrom” so billig ist? Wie rechnen sich geplante Blockheizkraftwerke, wenn der Gesetzgeber ständig für Veränderung und damit Investitions-Unsicherheit sorgt? Warum wurde die Windenergie in Baden-Württemberg systematisch verhindert?

Der Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg bietet jetzt die Chance: Vernünftiger Wettbewerb in unserem Wirtschaftssystem auf lokaler und regionaler Ebene, meinetwegen auch darüber hinaus. Wenn einer meint, er müsse sein Elektroauto mit französischem Atomstrom laden, dann soll er das tun (dürfen). Das bedeutet aber auch, dass ein EVU wie die EnBW, das stark auf Kernenergie gesetzt hatte, sich in wenigen Jahren wieder zu einem Stadtwerk (zurück) entwickelt. Da helfen auch Offshore-Windparks in Ost- und Nordsee nicht wirklich weiter, denn der Strom müsste erstmal (weitgehend verlustfrei) nach Süddeutschland kommen. Der Börsenwert wird fallen, dem Land Baden-Württemberg hat der ehemalige Ministerpräsident Stefan Mappus durch die (eigenmächtige) Übernahme der Mehrheit einen weiteren Bärendienst erwiesen. Dafür hat er (noch) einen ruhenden Arbeitsvertrag beim Kraftwerksbauer SIEMENS.

Ich wünsche mir Mut und Ideen für innovative Energieversorgung, insbesondere bei Stadtwerken, Unternehmen und privaten Initiativen. Eine Konsequenz sähe ich allerdings auch: Die Strom-Netze sollten zurück in staatliche Hand. Diese Form der Infrastruktur muss den Wettbewerb erleichtern und nicht etwa erschweren. Außerdem könnten die Durchleitungsgebühren ähnlich einer intelligenten Sraßen-Maut nach Angebot und Nachfrage (Wochentag bzw. Tageszeit) gebildet werden. Die Finanzierung neuer Hochleistungsnetze (die Deutsche Energieagentur spricht von einem Investitionsbedarf von ca. 25 Mrd. Euro) ist eine nationale Aufgabe (des Staates). Leider sieht die EU in ihrer “Privatisierungswut” das bisher anders.

Wir bei confidence arbeiten seit vielen Jahren für Stadtwerke und ein großes EVU im europäischen Ausland, das ohne Kernenergie sehr erfolgreich ist. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, quer zu denken. Atomausstieg ja, aber eben anders begründet.

Schreiben Sie uns Ihre Meinung, wir lernen gerne dazu.

 

1 Comment

  1. Hallo Rainer,
    schön mal auf diese Weise wieder mit dir in Kontakt zu treten.
    Zu 2 Punkten habe ich ein paar Anmerkungen.
    1. Die EEG Umlage ist „versehentlich?“ falsch berechnet worden und dann eine Kampagne gestartet worden, dass die Erneuerbaren insbesondere die Photovoltaik Preistreiber beim Strom sind. (sind ja nur 1,3Mrd€ die den Netzbetreibern als zinsloses Darlehen gewährt werden). Viel Erneuerbare Energie in der Hand der Bürger und Stadtwerke gefährdet nämlich das Monopol der Big 4 und muss deshalb verhindert werden.
    2. Hochleistungsnetze, ein Ausbau wie von der DENA beschrieben ist nur dann in diesem Maße erforderlich wenn man auch hier der Argumentation der Big 4 folgt und den Schwerpunkt auf Offshore Wind legt, bei einem dezentralen Energiekonzept ist ein derartiger Ausbau gar nicht erforderlich. Allerdings kann sich die dezentrale Energie der Bürger und die Stadtwerke leisten, Offshorewind hingegen können sich dagegen nur die großen EVU´s leisten, sie sichern sich hierdurch auf Jahrzehnte weiter ihr Monopol. Übrigens die Brennelementesteuer geht zum großen Teil in die Förderung des Offshore Windes. Linke Tasche rechte Tasche.

    Worauf ich hier hinaus will ist, dass wir uns nicht die Argumentation der Big 4 zu eigen machen sollten sondern selbst denken sollen.
    Grüße
    Uwe

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.