Querdenken
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Warum heizen wir (nicht) mit Strom (über die Autobahn)?

Der Elektro-Gipfel der Bundesskanzlerin sollte der deutsche Startschuss zum weltweiten Leitmarkt für die Elektromobilität werden und war hochkarätig besetzt:

Angela Merkel hatte Martin Winterkorn (VW Konzernchef), Henning Kagermann (Ex-SAP-Chef), Peter Ramsauer (Bundesverkehrsminister), Annette Schavan (Bundesforschungsministerin), Ursula Heinen-Esser (parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium), Hans-Peter Keitel (Bundesverband der Deutschen Industrie), Berthold Huber (IG Metall) und weitere 24 Industriebosse geladen.

Das Ziel: Mindestens eine Million Elektroautos fahren 2020 auf Deutschlands Straßen. Das klingt nicht sonderlich anspruchsvoll, bei über 45 Millionen Pkws in Deutschland derzeit.

Die Vision: Die deutsche Autoindustrie soll in Zukunft bei der Elektromobilität eine ähnliche Führungsrolle wie heute bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren sicherstellen. Das kann gelingen, aber um welchen Preis? Alle fordern finanzielle Anreize, die zunächst vorgesehenen 615 Mio. Euro für Forschung/Entwicklung und Infrastruktur in den nächsten fünf Jahren seien zu wenig, Kaufanreize im internationalen Vergleich zu gering.

Wir bei confidence consult nutzen einen Heizöltank mit 13.000 Litern Fassungsvermögen, für Büro und Haus. Damit könnten wir theoretisch, rein rechnerisch, bei einem Durchschnittsverbrauch von 6,5 Litern Diesel (nicht Heizöl) auf 100 Kilometer exakt 200.000 Kilometer weit fahren, also vermutlich über 10 Jahre mit dem selben Auto oder noch weiter mit dessen sparsameren Nachfolgern.

Und mit was heizen wir dann Büro und Haus? Mit Strom, der umweltfreundlich aus regenerativen Energien hergestellt und von den Stromversorgern über bestehende Leitungen ins Haus geliefert wird. In Frankreich ist das übrigens weit verbreitet, denn dort haben sie „billigen“ Atomstrom und brauchen deshalb keine Heizungsanlagen im Haus. Oder machen uns die Energieversorger etwas vor, weil sie soviel regenerative Energie (wie für Elektro-Autos benötigt) gar nicht zur Verfügung stellen können?

Zugegeben: Ein Ingenieur bin ich nicht, aber vielleicht verfüge ich über gesunden Menschenverstand?

Wir haben in Benzin, Diesel, “Biosprit” und Gas flüssige Energieträger bzw. Energiespeicher, die sich ideal zur Mobilität eignen. Den verwenden wir für die stationäre Heizung. Dafür bauen wir zukünftig Autos, die einen Elektromotor und schwergewichtige Akkus bewegen müssen. Geladen werden die Akkus idealerweise aus regenerativen Energien und Ladestationen unserer Stromversorger bzw. über unsere Solaranlage auf dem Dach. Iss klar.

So werden wir Innovationsstandort und können uns nach dem o. a. Gipfel mit sieben Arbeitsgruppen profilieren: Antriebstechnologie, Batterietechnologie, Ladeinfrastruktur, Standardisierung, Materialien, Qualifizierung und Rahmenbedingungen.

Die Bundeskanzlerin will in spätestens einem Jahr von jeder Arbeitsgruppe Ergebnisse sehen, Henning Kagermann wird zum Leiter „Nationale Plattform E-Mobilität“ ernannt.

Mein Gefühl sagt mir, hier wird ein ganz großes (Hamster-) Rad gedreht, mein Verstand sagt mir, dass der Verbrennungsmotor noch lange nicht am Ende ist. Experten trauen ihm eine weitere Verbrauchsreduzierung von bis zu 30% zu, weitere Einsparungen durch Reifen, Abkopplung von Aggregaten, Bremsenergierückgewinnung, Leichtbau etc. noch nicht eingerechnet, denn sie wirkten sich auch beim Elektroauto aus.

Natürlich ist Erdöl irgendwann endlich, aber am Ende des Tages werden (flüssige) Bio- bzw. synthetische Kraftstoffe aus regenerativen Energien mit sparsamen Verbrennungsmotoren eine wichtige Rolle spielen und nicht fahrbare Waschmaschinen oder Hybrid-SUVs, auch wenn sie so aussehen, mit über 300 kg schweren Batteriespeichern, deren Herstellung mehr Energie verbraucht, als sie je einsparen können. Als Mittel zur persönlichen Differenzierung bzw. Profilierung mag das lautlose Elektro-Auto mit künstlich erzeugtem V8-Sound überzeugen, ökonomisch und ökologisch wird es auf wenige Anwendungen (z. B. im Stadtverkehr) reduziert bleiben.

Volkswirtschaftlich geboten ist der intelligente und damit sparsame Einsatz von Ressourcen wie Erdöl, Erdgas, Regenerative Energiequellen, aber auch Geld und Manpower. Sparen sollten wir allerdings nicht an Hirnschmalz, auch nicht zum Querdenken.

Ich lasse mich aber gerne von Ingenieuren oder anderen Menschen mit gesundem Menschenverstand überzeugen. Mailen Sie uns Ihre Meinung, wir bei confidence denken eben quer und sind auch dadurch bisher ganz gut gefahren.

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  1. Michaela Kepka says

    Ich stimme Rainer Linse zu. Es ist viel sinnvoller “mobile” Energie für Mobilität zu nutzen, zumal die gesamte Infrastruktur da ist. Ich bin sicher, dass weit mehr Effizienz aus den klassischen Verbrennungsmotoren rausgeholt werden kann, mit Kreativität und Innovation. Die Frage, die ich mir stelle, lautet: was können wir konkret dazu beitragen, dass solche Diskusionen auch dort geführt werden, wo sie eine Chance auf Realisierung haben oder einen Beizrag zur Veränderung leisten können? Sollen wir mit Frau Merkel sprechen, gehört das Thema in den G8 Gipfel, oder ist eine Fan Page in Facebook der richtiger Ort um Diskussionen auf breiter Basis zu initiieren? Ich gehöre gerne zu Querdenkern, doch es macht mir darüber hinaus viel Spass das Unmögliche zu tun. Also lieber Rainer, was hälst du davon, dies bald bei einer Tasse Kaffee quer zudenken? Ich würde mich sehr darauf freuen. Herzliche Grüsse Michaela Kepka (Staaden)

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